ARCHITEKTUR ZEIGT HALTUNG

Schon im Ansatz sind die Meiller Gärten eine Besonderheit in der bayerischen Landeshauptstadt: Ein Quartier dieser Größe mit reinem Mietwohnungsbau hat Seltenheitswert. 600 Wohnungen, Wohnraum für rund 1.500 Menschen, und das langfristig zur Miete – das wünschen sich in München nicht nur Mieter, sondern auch Politiker. Doch schiere Größe allein ist nicht der Anspruch der Bauherren: Die Meiller Gärten werden auch architektonisch bemerkenswert.

Voraussetzung für das Gelingen eines solchen Großprojekts ist ein städtebauliches Gesamtkonzept, das die Rahmenbedingungen für die Gestaltung der einzelnen Baufelder definiert. Themen wie Zufahrten und Durchwegung, Gebäudehöhen und die Integration des Umfelds sind in dieser Planung festgelegt. Das Münchner Büro prpm Architekten hat gemeinsam mit RSLA Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten die Grundstrukturen für die Meiller Gärten geschaffen – und damit die Bedingungen für ein grünes Quartier mit erkennbarer Identität und hoher Lebensqualität.

Die einzelnen Baufelder wiederum werden von fünf renommierten Architekturbüros gestaltet, die sich intensiv mit den jeweiligen Besonderheiten ihrer Aufgabe auseinandergesetzt haben und Gebäude entwarfen, die nicht nur die Handschrift ihrer Planer tragen, sondern auch Identifikationspotential für die Bewohner haben. So variiert die Architektur zwischen klassisch und puristisch, Riegel und Punkthaus, Turm und Blockrand. Großmaßstäbliche Lösungen mit Bezug auf die Dimension der Gebäude auf dem angrenzenden Produktionsgelände finden sich ebenso im Quartier wie die denkmalgeschützte Rathgeber Villa am Memminger Platz.

Ein einheitliches Beleuchtungskonzept, offene Blickachsen, zwei Parks und zahlreiche kleinere Grünflächen wirken nicht nur optisch als Bindeglied – in dieser wertschätzenden Umgebung werden auch nachbarschaftliche Verbindungen bestmöglich gefördert.

DIE ARCHITEKTEN UND IHRE BAUFELDER

Baufeld 02 und Baufeld 05 / baumschlager eberle architekten

Das 1985 in Vorarlberg gegründete Büro ist heute mit 10 unabhängigen Dependancen in Europa und einer Tochtergesellschaft in Asien vertreten. Mit beinahe 250 Mitarbeitern und rund 400 realisierten Projekten auf drei Kontinenten stellt es auch international eine feste Größe dar. Der Schwerpunkt liegt auf dem Wohnungs- und Bürobau. Besonderes Augenmerk legt baumschlager eberle auf Nachhaltigkeit und Langlebigkeit. Stolz ist das Büro auf das innovative Bürohaus 2226, das völlig ohne Heizung oder Lüftung auskommt.

Für die Meiller Gärten plant baumschlager eberle die Baufelder 02 und 05.

Baufeld 02 umfasst 63 frei finanzierte Wohnungen und eine öffentliche Kindertagesstätte. Das geplante Gebäude wird besonders energiesparend sein. Erreicht wird das u. a. durch die thermische Speicherkapazität der Decken und der Wände aus speziellen, hochdämmenden Ziegeln. Helle Farben, massive Mauern und ein optimierter Fensteranteil gewährleisten, dass sommerliche Sonneneinstrahlung das Haus nicht zu stark aufheizt. Im Winter hingegen wird durch die niedrig stehende Sonne Energie zugeführt, sodass eine Niedrigtemperatur-Flächenheizung ausreichend ist.

Diese wird durch Wärmepumpen mit der Grundwasserwärme betrieben. Überzeugend ist auch das charakteristische Äußere mit der geschwungenen horizontalen Bänderung der Fassade. Im Innern präsentieren sich die 63 Ein- bis Vier-Zimmer-Wohnungen ausgesprochen funktional. So kann man in den Wohn- und Schlafräumen viel natürliches Tageslicht genießen, da sie an den Außenseiten liegen. In diesem Zusammenhang befinden sich die meist kürzer genützten Sanitär-, Abstell- und Zugangsflächen im Kernbereich des Gebäudes

Baufeld 05 liegt im Herzen der Meiller Gärten. Auf einer Fläche von gut 6.000 m2 sind drei Gebäude geplant, die 1,5- bis 5-Zimmer-Wohnungen umfassen, insgesamt 115 Wohneinheiten. Zwei der Gebäude werden verputzt, das dritte, welches an der Margarete-Steiff-Straße liegt, erhält eine Klinkerfassade. Wie im Baufeld 02 legt baumschlager eberle auch hier größten Wert auf energetische Nachhaltigkeit. Einen Beitrag hierzu leisten insbesondere die ausschließlich monolithische Bauweise ohne zusätzliche Dämmebenen. Die Wohnungen sind so konzipiert, dass einerseits wirtschaftliche Deckenspannweiten möglich sind, andererseits die Wohnungsgrundrisse durch Leichtbauwände innerhalb der Wohnungen flexibel angepasst werden können.

www.baumschlager-eberle.com

Baufeld 03 / Hierl Architekten

Das 1987 in München gegründete Planungsbüro hat bereits eine Vielzahl an Wettbewerben für sich entscheiden können. Neben Wohnbauten hat Hierl auch mit zahlreichen öffentlichen Gebäuden das Gesicht Münchens und anderer Städte geprägt. Zu nennen wären hier etwa die Paulaner Hauptverwaltung, das Staatsarchiv Landshut oder die Grundschule und Kindertagesstätte Theresienhöhe.

Gemäß der Philosophie des Büros ist jedes Gebäude etwas Einmaliges. Darum versucht Hierl stets, das Allgemeine einer Aufgabe mit dem Spezifischen des Orts aufzuladen und damit etwas Besonderes zu schaffen.

Baufeld 03 liegt an der Untermenzinger Straße, zwischen dem Boardinghaus und Baufeld 02. Für dieses Areal hat Büro Hierl ein städtisches Haus entworfen. Hinter der klar gegliederten Fassade sind 50 Wohneinheiten für sozialen Wohnungsbau sowie eine Kindertagesstätte vorgesehen. Straßenseitig klassisch-streng anmutend, fasziniert das Gebäudeensemble zum Innenhof durch ein feines Spiel von Farbwechseln und Nuancierungen.

Loggien und Laibungen in Kontrastfarben reichern die Fassaden an und geben ihnen ein abwechslungsreiches Erscheinungsbild.

Um den regelmäßigen Duktus der umlaufenden Fassade zu erhalten, wurden innenliegende Erschließungskerne gewählt. Das Haus öffnet sich über die Wohnräume zu Straße und Hof.

Die gut proportionierten Wohnräume bieten eine hohe Wohnqualität und dank der Realisierung der Freiflächen als Wintergärten ergibt sich – neben dem Vorteil einer besonders langen Nutzbarkeit in der Übergangszeit – auch eine beachtliche Energieersparnis.

Die Architekten legen Wert auf den spannungsreichen Dialog der Gebäude und Stile innerhalb des Quartiers – vor allem aber darauf, dass die die Bewohner ein schönes Zuhause finden.

www.hierlarchitekten.de

Baufeld 04 / Hilmer Sattler Architekten Ahlers Albrecht

Das Büro wurde 1974 von Heinz Hilmer und Christoph Sattler in München gegründet, seit 1988 besteht eine Niederlassung in Berlin. Die Schwerpunkte liegen im hochwertigen Wohnungs- und Bürohausbau, sowie im Museums- und Hotelbau. Daneben sind städtebauliche Projekte ein wesentlicher Bestandteil des Tätigkeitsfeldes.

Hilmer Sattler Architekten
Ahlers Albrecht hat die Bebauung für das Baufeld 04 entworfen.

Auf diesem Baufeld entsteht ein einziges Objekt, in dem ein Boardinghaus und ein Restaurant untergebracht sein werden – ein öffentliches Gebäude also, im Gegensatz zu den anderen Baufeldern der Meiller Gärten, die nahezu ausschließlich Wohnungen beherbergen.

Architektonisch schafft HSA einen Spagat: Einerseits harmoniert die Fassadengestaltung mit der Nachbarbebauung und integriert das Boardinghaus ins Quartier – andererseits ist der Baukörper so markant, dass er eigenständig und erinnerbar bleibt.

Die mit Putzflächen kontrastierenden Klinkerflächen, die französischen Balkone, die horizontalen Gesimsbänder und nicht zuletzt die „gebrochene“ Keilform geben dem Quartier an der Ecke Untermenzinger Straße / Margarete-Steiff-Straße ein unverkennbares Gesicht. So wird das Gästehaus, dessen Eingang direkt am Eck liegt, zum Aushängeschild des Quartiers.

Im Erdgeschoss befinden sich das Restaurant sowie der Eingang und die Lobby des Boardinghauses, im 1. – 5. Obergeschoss werden vor allem Gästeapartements untergebracht sein. Dank der Beheizung und Kühlung durch Grundwasser und andere Maßnahmen erfüllt das Haus die Anforderungen an ein KfW-Effizienzhaus 70.

Getreu den Grundsätzen des Büros, das nach einer idealen Kombination immer wieder- kehrender Grundformen strebt, besticht das Projekt durch gefällige Proportionen und viel Liebe zum Detail.

www.h-s-a.de

Baufeld 06 / steidle architekten

Seit seiner Gründung 1969 durch Otto Steidle (1943-2004) hat das Büro zahlreiche Spuren in München hinterlassen, darunter so markante Gebäude wie den Wohnturm auf der Theresienhöhe, das 3. Siemens Sternhaus oder das Moosacher Nahversorgungszentrum Mona. Für die Meiller Gärten plante es das Baufeld 06 mit insgesamt 149 Wohneinheiten.

Das Baufeld öffnet sich zum Meiller Park und grenzt im Süden an die Margarete-Steiff-Straße mit Sichtbezug zu den bestehenden Werkhallen der Firma Meiller. Daher wird hier bewusst an die Dimensionen und Gestaltung historischer Industriebauten angeknüpft.

 

Die Fassaden der individuell geprägten Riegel- und Punkthäuser erhalten ein übergeordnetes Raster, das die jeweilige Wohnungsstruktur abbildet. Das heißt, die besondere innere Struktur, bei welcher sich separat erschlossene „Haus im Haus“-Typen, mit 1- bis 2- Zimmerwohnungen und Maisonetten mit durchgesteckten Wohn- und Essbereichen abwechseln, prägt auch das äußere Erscheinungsbild.

Neben der Verwendung hochwertiger Materialien definiert sich die Nachhaltigkeit der Steidle-Häuser über Grundrissqualität und Grundrissflexibilität, welche langfristig unterschiedlichste Nutzungen zulassen.

Besonderheiten sind die durchgesteckten Maisonettewohnungen und die „Haus im Haus“-Typen im Erdgeschoss. Die Eingangsbereiche und Treppenräume der jeweiligen Häuser erhalten eine individuelle farbliche Ausprägung.

www.steidle-architekten.de

Baufeld 07 / prpm Architekten

Das Planungsbüro prpm ist ein in München ansässiges Büro von Architekten und Stadtplanern. prpm legt Wert auf eine ganzheitliche Planung, die stets den gesamten Lebenszyklus des Objekts im Blick hat: Von der Erstellung über den Unterhalt bis hin zur Nachhaltigkeit. Vor diesem Hintergrund werden verschiedenste Optionen genau gegeneinander abgewogen, wenn es um Konstruktion, Materialien, Formen oder Integration in die Umgebung geht – bis hin zu all den vielen Details, die eine Planung umfasst. 

In den Meiller Gärten zeichnet prpm für die Architektur und das Büro Rainer Schmidt Landschaftsarchitekten für die Freianlagenplanung des Baufelds 07 verantwortlich.

Beide Büros zusammen haben zu Beginn des Projektes den städtebaulichen Wettbewerb für das Gesamtquartier gewonnen und im weiteren Verlauf maßgeblich den Bebauungsplan und die Leitlinien der Architektur in den Meiller Gärten schrittweise weiterentwickelt.

Mit einer Fläche von annähernd 7500 m2 ist Baufeld 07 flächenmäßig das zweitgrößte der Meiller Gärten und verfügt über 116 Wohneinheiten. Ein bis vier Zimmer und Flächen zwischen 40 m2 und 116 m2 bieten Raum für alle Lebenssituationen. Auffallend ist die abwechslungsreiche Fassade, , des teils vier-, teils sechsgesschossigen Gebäudes mit seiner Klinkerfassade zur Parkseite.

Die geschlossene Reihe ist kein Zufall, sie bildet den Schallschutz zur benachbarten S-Bahn-Strecke. Die Freibereiche sind ausschließlich in Form von Loggien gestaltet.

Die Besonderheiten: Die Tiefe des Baukörpers ermöglicht einen hohen Anteil durchgesteckter Wohnungen mit jeweils zwei Aussenfassaden: Zum sonnigen Meiller Park auf der Westseite, sowie schallgeschützt, durch die verglasten Loggien zur Ostseite, mit Sonne am Vormittag und teilweise Blick in die Berge. Die Vielfalt an Grundrissen sowie die Barrierefreiheit kommt den verschiedensten Anforderungen und Lebensgestaltungen der zukünftigen Bewohner entgegen.

Beim Innenausbau setzt das Büro auf zeitloses Design und langlebige Materialien: Echtholzparkett, bodentiefe Fenster, Fußbodenheizung und bodengleiche Duschen.

Baufeld 07 wird als erster Bauabschnitt der Meiller Gärten bezugsfertig.

www.prpm-architekten.de